Was ich mir wirklich wünsche- Muttertagsaktion

Lange habt Ihr hier von mir nichts gehört und das, nachdem ich unheimlich motiviert und mit unzähligen Entwürfen für Blogposts im Kopf meinen neuen Blog gestartet habe. Der Grund dafür ist einfach: das Leben hat mir gnadenlos die Füße weggerissen. Nach einigen wiederkehrenden Erkältungskrankheiten ging es mir immer schlechter, bis meine wunderbare HNO tat, was vorher kein Arzt getan hatte: sie nahm mich ernst und „schwang die große Diagnostikkeule“ (Zitat Ärztin). Das Ergebnis war niederschmetternd. Karzinom der Lunge! Zack. Bähm. Da haste und nun mach was draus.

Ich habe mehrere Wochen gebraucht, um mich wieder so weit zu fangen, dass ich meine Gedanken hier mit Euch teilen kann. Ich plane noch weitere Beiträge zum Thema Krebs, wie es herauskam, was mir half oder Steine auf den Weg der Genesung rollte.

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Aber heute möchte ich etwas zur wichtigen Aktion von Christine von Mama arbeitet und Annette von Mutterseele sonnig schreiben, die ich beide kennenlernen durfte und die beide starke, inspirierende Frauen sind. Sie rufen dazu auf, unter dem Hashtag #Muttertagswunsch zu twittern und zu bloggen, was man sich tatsächlich wünscht, anstatt der obligatorischen Schokoherzchen und bemalten Blumentöpfchen. Ihre Intention ist hochgradig politisch. Es geht um Gleichberechtigung, bezahlbare Kinderbetreuung, Altersarmut durch nicht anrechenbare Pflegearbeit und vieles mehr. Ich finde es unheimlich wichtig, sich darüber Gedanken zu machen. Wofür ist der Muttertag gut, was verändert er in der Wertschätzung und tatsächlichen Vergütung der Care-Arbeit und deshalb habe ich nachgedacht, was ich dazu schreiben könnte.

Mein übliches Jahr um den Muttertag herum – Ausgangssituation

Ich befinde mich in einer völlig anderen Lebenssituation, als Christine und Annette. Ich bin nicht nur nicht alleinerziehend, ich habe einen Mann an meiner Seite, der gerechte Verteilung der Carearbeit und ganz allgemein gleichwertige Partnerschaft in der Ehe ganz selbstverständlich lebt. Ich hatte darüber hier schon einmal berichtet. Aus diesem Grund habe ich nie verstanden, warum der Muttertag eine andere Gewichtung hat, als der Vatertag, denn zumindest bei uns, gibt es da keine Unterschiede. Der Vater hat die selbe Verantwortung, den gleichen Stress und auch ebensolche Glücksmomente. Deshalb sollte er auch ebenso mit Basteleien, Gutscheinen für die Übernahme der Hausarbeit oder schiefen Ständchen beglückt werden – oder eben von alldem verschont werden, weil es eben an den Schwierigkeiten des Elternseins nichts verändert.

Als meine Tochter sich letztens liebevoll an mich kuschelte und „Ich hab Dich soo lieb, Mama!“, hauchte, platze aus mir heraus: „Ich brauche ja gar keinen Muttertag! Ich spüre Eure Wertschätzung und Liebe jeden einzelnen Tag!“. Dass das Kind dann antwortete: „Dann brauche ich aber auch keinen Kindertag.Ich weiß auch immer, dass Ihr mich lieb habt und für mich da seid!“, zeigt mir, dass wir in diesem Zusammenhang wirklich gesegnet sind. Innerfamiliär sind wir sehr klar und offen mit unseren Gefühlen und Meinungen und wissen alle, was wir aneinander haben. Ein wir-nehmen-uns-das-ganze-Jahr-für-selbstverständlich-und-kaufen-dann-ein-Mal-Blumen-um-unser-Gewissen-zu-beruhigen gibt es bei uns nicht.

Also, was könnte ich mir dann noch zum Muttertag wünschen? Mir sind zwei Dinge eingefallen, ein Politisches und ein sehr Persönliches und beide hängen mit den eingangs erwähnten neuen Herausforderungen zusammen, die das Leben mir gerade vor die Füße gekotzt hat.

Krebs- Mutti fällt aus

In unserer Familie sind die Aufgaben klar verteilt, entweder nach Talenten oder durch äußere Einflüsse: Eine putzt die Küche, der Andere kümmert sich um die Wäsche, Eine liest vor, der Andere spielt Fußball, Eine übernimmt die Morgenbetreuung, der Andere die am Nachmittag. Wenn einer von Beiden längerfristig ausfällt, übernimmt der Andere dessen Part. Als ich jetzt aufgrund der Lungenentzündung komplett leistungsunfähig war und anschließend im Krankenhaus, hat mein Mann klaglos und unkommentiert meine Hälfte des Haushalts mit übernommen und die komplette Kinderbetreuung gewuppt. Nebenher hat er sich um mich gekümmert und seine eigenen Sorgen und Ängste verbissen. Das größte Problem war allerdings, dass er ja weiterhin um 6.00 Uhr morgens das Haus verlassen musste, um pünktlich zur Arbeit zu kommen. Wir haben das mit einigem Gerenne geregelt bekommen, weil wir das riesengroße Glück haben, wundervolle Familie und unfassbare Freunde in Greifweite zu haben. Meine Mutter kam morgens um sechs hier her und machte das Kind schulfetig, an anderen Tagen können wir sie zu Freunden bringen, wo sie einfach mitfrüstücken darf und dann zur Schule gebracht wird. Wir sind wirklich gesegnet und ich bin unglaublich dankbar. Es es war und ist nicht leicht und ich frage mich, was Menschen mit Erziehungsverantwortung (m/w) im Krankheitsfall machen, wenn sie dieses engmaschige soziale Netz gerade nicht abrufen können. Ich weiß, man kann da was bei der Krankenkasse beantragen. Aber, so wie ich das bisher erfahren habe, ist das alles ausgesprochen bürokratisch und alles Andere, als barrierefrei.

Was wünsche ich mir also zum Muttertag von der Politik? 

Es gibt Notfälle im Leben und ich wünsche mir, dass transparenter und offener kommuniziert wird, dass man da nicht alleine durch muss. Ich wünsche mir, dass unbürokratisch und vor allem schnell (denn eine lebensbedrohende Erkrankung kündigt sich in der Regel nicht fristgerecht an) Betreuungszeiten verändert werden können. Ich wünsche mir, dass es praktische und menschliche Hilfen gibt. Ganz besonders für Alleinerziehende, aber auch zu Unterstützung des Elternteils, das plötzlich alles und noch mehr regeln muss.

Und was war mit dem persönlichen Wunsch?

Als ich überlegt habe, was ich mir eigentlich wirklich zum Muttertag wünsche, war das Erste, das immer wieder durch meinen Schädel hämmerte: „Ich möchte noch möglichst lange für mein Kind da sein können!“.

Ich gehe zu allen Vorsorgeuntersuchungen, ich fahre sehr vorsichtig und habe mein Motorrad abgegeben, ich gehe nicht mir Haien tauchen. Ich bin davon ausgegangen, mindestens 50 zu werden. Irgendwie. Unterschwellig. Ich bin davon ausgegangen, meinem Kind die Brotdosen zu machen, ihr vorzulesen, ihr durch diese verwirrende Welt zu helfen und an ihrer Seite zu sein, so lange sie das möchte.

Die Krebsdiagnose machte mir klar, dass gesund essen und nicht rauchen einfach nicht ausreichen. Sie könnte mich verlieren. Einfach so. Auch morgen schon. Deshalb ist mein einziger, persönlicher, riesengroßer Wunsch, da zu bleiben, gesund zu werden, ihr die unperfekte, chaotische, lustige Mutter zu sein, die ich sein kann. Denn sie hat genau das verdient. Mich. An ihrer Seite.

Ich weiß, dass niemand von Euch da draußen mir diesen Wunsch erfüllen kann. Deshalb rufe ich ihn einfach ins Universum hinaus und übe mich in Vertrauen. Und derweil versuche ich, ihr all das zu vermitteln und zu geben, was ich ihr den Rucksack packen möchte, der sie auf immer auf ihrem Weg durch das Leben begleiten soll: Vertrauen und Liebe und Zuversicht, die Fähigkeit, einen Knopf anzunähen und ein Lied zu erfinden und über sich selbst zu lachen. Und noch das Eine oder Andere mehr.

Und wenn Ihr wissen möchtet, was andere Mütter sich wirklich zum Muttertag wünschen, dann guckt bitte bei Mama arbeitet und Mutterseele sonnig vorbei. Ich würde mich freuen, wenn Ihr diese Aktion unterstützen könntet.

Nachdenkliche Grüße

Eure Thea

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9 Gedanken zu “Was ich mir wirklich wünsche- Muttertagsaktion

  1. Eine riesige Umarmung für Dich und ein großes DANKE für diesen berührenden und schönen Text, der genauso wichtig ist wie die politischen Forderungen!

    Gefällt 1 Person

  2. Liebste Thea,
    es ist so schön, wieder von Dir zu lesen, das habe ich vermisst.
    Ihr seid ein tolles Team, das kann man spüren und lesen.
    Und ich schreie auch ganz laut in’s Universum, dass Dein wichtiger Wunsch auch nicht überhört werden kann.
    Und jetzt muss ich mir noch was aus den Augen wischen gehen.

    Fühl Dich umarmt
    Tanja

    Gefällt 1 Person

  3. Deine Worte haben mich sehr berührt.
    Einmal kräftig geschluckt und mir was aus den Augenwinkeln gewischt, wünsche ich dir von ganzem Herzen, dass dein Wunsch in Erfüllung geht.
    Fühl dich ganz fest gedrückt und bleib weiterhin so stark wie du bist.
    Ihr schafft das💕

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  4. Fühl dich gedrückt! Ich wünsche dir von ganzen Herzen, dass dein Wunsch in Erfüllung geht. In drei Wochen erwarte ich mein erstes Kind und kann mir sehr gut vorstellen, wie furchtbar deine Gedanken sein müssen. Wir wissen nie, was das Leben bringt. Alles alles Liebe.

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