Mit mittelleichtem Gepäck

Es gibt so Blogbeiträge, die drängeln sich einem geradezu auf und betteln darum, geschrieben zu werden. Dieser hier, ist so einer. Schon lange denke ich darüber nach, was ich eigentlich brauche, um glücklich zu sein. Und ich meine in desem Fall nicht die elementaren Dinge – wie die Menschen, die ich liebe um mich zu haben oder einen erfüllenden Beruf – ich meine ganz praktisch: was muss ich kaufen, wie viel wovon muss sich in meiner Wohnung befinden. Ich habe mich mit Béa daüber unterhalten, als wir mal zusammen zu Abend aßen und sie meinte, ich solle doch mal was dazu bloggen. Und seit ein paar Wochen, trällert mir das Kind ständig das Silbermond-Lied zu diesem Thema ins Ohr und jetzt schreibe ich den drängelnden Beitrag einfach mal.

Interessant wurde dieses Thema für mich persönlich, als wir in eine kleinere, aber hübschere Wohnung umzogen. 1 Zimmer weniger bedeutete auch weniger Stauraum. Weniger Platz für die Dinge des Alltags. Für meinen Mann war es leichter „abzuspecken“, als für mich.

Hierzu muss man wissen, dass ich in der DDR aufgewachsen bin. Meine Eltern betrieben Voratshaltung. Es wurde nichts weggeworfen. Viele Dinge konnte man einfach nicht so mal eben kaufen. Da war es besser, sie in Reichweite zu behalten.

Wer weiß, wann man das noch braucht?

Wir hatten Keller, Garage und Dachboden voller Schräubchen, Restfliesen und nicht mehr benutzer Elektrogeräte. Meine Mutter wollte noch letztes Jahr meine alte Waschmaschine einlagern, „Dann hast Du eine Reserve, falls die Neue kaputt geht.“.

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Symbolbild: „schweres Gepäck“, geknipst im Technikmuseum

Doch irgendwann hatte ich das Gefühl, dass ich viel zu viel Ballast mit mir herum schleppte. Ich fühlte mich erdrückt und eingeengt von all dem Zeug, dass ich in Kisten und Schränke und unter das Bett stopfte. Und wofür? Das Meiste brauchte ich nie, oder wenn ich es gebraucht hätte, fand ich es nicht. Mein Mann lebte schon immer nach dem Prinzip: „Ich behalte nur, was ich regelmäßig brauche. Sollte ich irgendwann doch mal wieder Kleidung 2 Größen kleiner brauchen, kaufe ich sie frisch.“

 Und tatsächlich konnte ich die aufgehobenen Dinge im Nötgkeitsfall meistens nicht einsetzen, weil es eben nicht genau das war, was ich gerade brauchte. Also, haben wir aussortiert. Natürlich habe ich nur wegwerfen können, was wirklich kaputt war. Alles Andere haben wir verschenkt, gespendet, verkauft. Und wir haben für alles jemanden gefunden, zu dem es gerade genau passte.  Jemanden glücklich gemacht und ich kann wieder freier atmen – das nenne ich mal Win/Win.

Und wie geht es jetzt weiter?

Von allem nur das Beste

Letztes Jahr erklärte mir eine Referentin bei einer Weiterbildung ihr Rezept für innere Zufriedenheit: sie kauft nur, was sie wirklich braucht, davon aber nicht das Billigste, sondern das, womit sie sich wirklich wohl fühlt. Sie hat eben nicht 7 Mal Bettwäsche, sondern 3, aber da hat sie sich feine Qualität in Mustern ausgesucht, sie ihr jedes Mal ein Lächeln auf’s Gesicht zaubern. Eben, weil sie sich daran erinnern, dass sie sich etwas gegönnt hat. „Ich mag mich. Menschen, die ich liebe, kaufe ich auch nicht, das Zweitbeste, warum dann mir?“

Diese Herangehensweise imponierte mir und ich habe viel darüber nachgedacht. Ich fand sie zuerst ein bisschen elitär. Schön, dass Du Dir die Luxusausgaben von allem leisten kannst, ich kann es nicht. Aber dann rechnete ich ein wenig herum und stellte fest, dass es für mich tatsächlich funktioniert, nicht überall 5 Stück der Massenware zu kaufen, sondern 1 besonders schönes. Natürlich kann und will ich nicht überall „die Goldkannte“ kaufen, aber eben das, was mir am Herzen liegt. Ich bin noch lange nicht da, wo ich mal hin möchte, aber ich bin auf dem Weg.

Genießen, statt überfressen

Für mich lässt sich dieses Konzept auch gut auf meine Ernährung übertragen. Ich kaufe nicht mehr die billigsten Großpackungen, von denen ich dann die Reste wegwerfen muss, weil es uns gar nicht möglich ist, das alles vor Ablauf der Haltbarkeit zu verzehren. Ich greife inzwischen zu den Lebensmitteln, an denen ich früher wehmütig vorbeischlich, weil sie 2 € mehr kosteten, als die Großpackung. Dafür kaufe ich aber eben nur, was wir auch wirklich in abesehbarer Zeit aufessen, gerne mal Bio, aber nicht alles. Und dann sitzen wir am Tisch und freuen uns, dass wir uns etwas Gutes gegönnt haben. Es schmeckt einfach anders. Und es fühlt sich anders an.

Mir tut diese Einstellungsänderung gut. Unserer Wohnung auch und über Nachhaltigkeit brauchen wir ja da gar nicht zu diskutieren. Es liegt ja auf der Hand. Hierzu würde mich die Ansicht von Suse von Ich lebe! Jetzt! interessieren, sie ist quasi mein Nachhaltigkeitsguru.

Wie handhabt Ihr das? Wie seid Ihr unterwegs? Immer für alles vorbereitet oder mit leichtem Gepäck?

Liebste Grüße

Eure Thea

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9 Gedanken zu “Mit mittelleichtem Gepäck

  1. Eine schöne Einstellung, die ich unterschreiben kann!!! Ich lebe nach der Regel: Was ich zwei Jahre nicht gebraucht habe, kommt weg. Das klappt meistens ganz gut. Die Kindersachen wegzugeben war schwierig und einige Kisten stehen auf dem Dachboden … Andere habe ich an Freundinnen weiterverschenkt oder an die Caritas. Und wenn mir das Weggeben schwerfällt, sage ich mir: Es soll lieber andere glücklich machen anstatt hier rumzustehen …

    In der Küche finde ich das am einfachsten. Sogar die Mikrowelle wurde verschenkt, wir brauchten sie einfach zu selten.

    Die Kinderzimmer sind fast leer, Spielzeugkisten rotieren. Das macht das Staubsaugen einfacher.

    Dennoch sammelt sich immer wieder und überall solche Krimskrams-Ecken an, es ist wie die Pest. Aber auch hier gilt: Wenn ich das Zeug zwei Jahre lang nicht vermisst habe, kommt es eben weg.

    Zeug, das reinkommt, gibt es aber immer noch zuviel …

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    1. Danke für Deinen wundervollen Kommentar! ❤
      Du hast Recht, Krimskrams-Ecken lauern überall und manchmal ist es mir schleierhaft, wo das Zeug herkommt. Aber grundsätzlich nur zu kaufen, was man wirklich braucht, hilft mir schon.
      Gerade in der Küche fällt mir das Minimalisieren aber eher schwer. Da gibt es noch viele Waffeleisen, oder ähnliche Geräte und etliche Tupperdosen… Das benutze ich nur ab und an, aber ich benutze es… 😊
      Ich bin eben wirklich noch auf dem Weg.

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  2. Hallo,
    Ein sehr schön geschriebener Artikel, da komme ich direkt ins Grübeln, ob das auch für mich/ uns umsetzbar ist. Werde mir auf jeden Fall weitere Gedanken machen. Ich lebe bisher eher nach der Jäger & Sammler Philosophie. Spätestens beim Frühjahrsputz überkommen mich starke Zweifel, da das natürlich auch viel aufwändiger ist.
    Liebe Grüße
    Marion

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    1. Jäger und Sammler war ich früher auch. „Oh, ein Angebot. Das ist günstig. Das nehmen ich mit!“ Häufig stand das dann halt rum…
      Ich freu mich aber total über Dein Kompliment! Und dass mein Beitrag Dich zum Nachdenken angeregt hat, finde ich auch genial!
      Vielen Dank dafür!

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  3. Ich habe das erste mal ausgemistet, als ich vom Haus wieder in eine Wohnung gezogen bin , das ist jetzt über 10 Jahre her. Das war schon sehr befreiend.
    Als ich mich vor knapp zwei Jahren dann auch endlich und entgültig von meinem ex mann getrennt habe, habe ich auf alle Möbel verzichtet, lediglich auf die Küche hab ich bestanden und das Bett hab ich in der Not mitgenommen.
    Ich habe mir liebevoll eine kleine Anrichte aus alten Weinkisten gebaut, ein Sofa aus Paletten, mein Fernseher steht auf einer Palette, das Grundgerüst meines Schreibtisch ist aus einem alten ikea Regal.
    Ich habe alles was ich brauche! Viel Platz und Luft zum atmen und vorallem meinen Frieden .
    Meine beste Freundin schiebt ihr schweres Gepäck gerne mal zu mir 😊 ich schaue was ich oder meine Töchter brauchen können, habe noch jemanden an der Hand der für den Flohmarkt sammelt und der Rest wird entsorgt.
    Mir geht es sehr gut damit, ich vermisse nichts und muss nicht mehr suchen.
    Lg
    Bianca

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    1. Wow, vielen Dank für Deinen tollen Kommentar!
      Da bist Du schon viel weiter auf dem Weg zu unbe-schwer-tem 😉 Alltag, als ich. Ich stelle mir Deine Wohnung wunderbar individuell vor!
      Ich wünsche Dir alles Gute für die weitere Reise!

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  4. Toller Artikel.

    Nachdem wir mit einem Kind und zwei Jobs von unserem ganzen ersparten eine 80qm Whg in München gekauft haben und dann irgendwie plötzlich 3 Kinder und insgesamt nur noch einen Job hatten, mussten wir uns auch überlegen wie es weitergehen soll. Was größeres kaufen, wieder jeder arbeiten und wieder weniger Zeit für die mit den Kinder haben? Weniger in die Sonne gucken können, mehr Stress, trotzdem nicht mehr Geld (da die Preise jenseits von erschwinglich sind in einer annähernd so guten Lage wie unsere jetzige). Wir haben es trotz Kindern geschafft extrem runterzufahren. Hier kam alles radikal weg, was nicht mehr gebraucht wird. Ein Schreiner baute uns Hochetagen zum Schlafen um Platz darunter nutzen zu können, der jetzt kaum noch nötig ist. Wir haben eine große Wohnküche mit einem großen Tisch der das Herzstück unserer Whg ist. Ansonsten lernen wir alle die kleinen Dinge des Lebens zu schätzen, uns gegenseitig Raum zu geben und kreativ zu sein mit dem was uns zur Verfügung steht… Ein völlig neues Lebensgefühl das erleichtert und frei macht… Wir alle zusammen besitzen zBsp nur 3m Kleiderschrank.

    Man hat mehr Raum zum Atmen und weniger Dinge die Ablenken. Gerade mit Kindern bedeutet das auch, dass weniger rumliegt, weniger abgestaubt werden muss. Weniger Fläche bedeutet weniger Putzen. Wir haben mehr Zeit, mehr Entspannung, mehr Achtsamkeit,… uvm gewonnen. Wie gut dass das Geld zu knapp war…

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  5. Was für ein toller Beitrag. Und im Grunde hast du da in sehr vielen Punkten Recht. Mein Verstand sagt mir das auch, nur umgesetzt wird es derzeit noch nicht.
    Wir sind 2011 von einer Dreiraumwohnung in ein Haus gezogen. Der Plan war da, auszumisten. Allerdings kam dann der Umzug schneller als ich gucken konnte und mein Mann war meist zum Innenausbau im Haus und ich räumte allein ein. Also packte ich alles ein – nur kaputte Sachen verließen uns… „Wir können ja im Haus dann sortieren!“ Tjaaaa Pustekuchen.

    Aber, der Wille ist durchaus da, Ballast abzuwerfen. Nur in der Umsetzung hapert es noch 😉

    Danke für den schönen Beitrag.

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